Woher kommt die Angst so vieler Männer vor Feminismus?

Genderwahn! Sprachvergewaltigung! Emanzen-Lobby! Quotenfrauen! Manche Männer stehen regelmäßig vor dem Herzinfarkt, wenn sie von Frauen lesen müssen, die mehr Rechte einfordern oder einfach nur in Texten mit weiblicher Form angesprochen werden wollen. Im Web wird man von geistigen Winzigwichten schon angepöbelt, wenn man das „F“-Thema nur andeutet. Warum ist das so?

Feminismus ist kurz gefasst nach Definition der Stanford Encylopedia of Philosophy: „… both an intellectual commitment and a political movement that seeks justice for women and the end of sexism in all forms.“ Natürlich gibt es verschiedene Auslegungen, aber im Grund setzt sich der Feminismus für eine Gleichberechtigung ein. Männer und Frauen sollen gleiche Rechte haben. Bis das nicht der Fall ist, braucht es feminististische Bewegungen, um diese Gleichstellung herbeizuführen.

Liebe Anti-Feministen und Maskulinisten: was tut denn daran so weh? Wovor habt ihr so große Angst? Dass sich Frauen zu den Herrscherinnen (sic!) der Welt aufschwingen und euch unterdrücken? Das wird nicht passieren. Aber genau das ist es, wogegen Frauen vorrangig in den vergangenen Jahrzehnten gekämpft haben. Gegen Unterdrückung, Sexismus und Ungleichbehandlung.

Männer und Frauen sind biologisch nicht gleich und sollen daher auch nicht gleich behandelt werden? So könnte man auch argumentieren, dass z.B. große Menschen überlegen wären und folglich mehr Rechte haben sollten; große Menschen bessere Führungsqualitäten hätten und eher in den Vorstandsetagen sitzen sollten als kleine. Klingt irrsinnig? Genau das ist Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts auch.

Wer das nicht verstanden hat, wird weiterhin Angst haben und gegen die Weiterentwicklung der Gesellschaft arbeiten. Bemitleidenswert und so gar nicht „maskulin“, oder?

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15 Gedanken zu „Woher kommt die Angst so vieler Männer vor Feminismus?

  1. Ich persönlich habe nichts gegen „Herrscherinnen“, jedoch nervt es mich einfach wenn ich meine Texte für die Uni mehrmals nachlesen muss und ja nicht auf das Gendern vergessen darf. Auch Studienkolleginnen sehen das teilweise so.

    Generell spreche ich mich für eine Gleichstellung aus, zwar ohne Quoten in Führungsetagen aber auf jeden Fall mit gleicher Bezahlung. Gleichzeitig mit stärkerer Kontrolle der gleichen Bezahlung sollte aber wegen Fairness eine Wehrpflicht für Frauen eingeführt werden.

    • Also bei der Wehrpflicht nach dem Motto „geht’s mir schlecht, soll’s dir auch schlecht gehen“? Sorry, aber so eine Einstellung kann ich absolut nicht nachvollziehen. Ich bin gegen Wehrpflicht, auch bei Männern.

      • Hallo, habe mir gerade zu diesem Thema wirklich Gedanken gemacht und ich muss mich meinem Vorgänger anschließen.
        Mir ging es nicht schlecht beim Heer, ich finde sogar, dass es im nachhinein schön und gut war. Aber sorry wer A sagt muss auch B sagen und auch dazu stehen. Ich bin auch für eine Gleichstellung, man muss aber bei allen Dingen gleich sein, sonst kann Gleichstellung nicht funktionieren bzw. ist es keine Gleichstellung. Auch wenn es nicht um die Wehrpflicht geht. Oder? Es ist kein Argument zu sagen ….. „Also bei der Wehrpflicht nach dem Motto….“

      • Ich bin gegen Wehrpflicht. Punkt. Ich finde nicht, dass es Ziel sein sollte unfaire Behandlung auf männlicher Seite aufzuwiegen. Zumal Frauen noch in so vielen Punkten benachteiligt sind, dass man sich wirklich keine Sorgen machen muss, dass sie ihren Pflichten nicht nachkommen. Aber genau das ist eines dieser Argumente vieler Männer, die glauben, dass ihnen was weggenommen wird, wenn Frauen mehr Rechte haben.

      • Weiter unten sprichst du an, es gibt viele Punkte in denen Frauen diskriminiert werden? Welche wären das?

      • – Männer verdienen um 27 Prozent mehr http://diestandard.at/1341845148012
        – Forscherinnen werden für inkompetenter eingeschätzt http://diestandard.at/1347492856824
        – Gleichstellung für Polanski „völlig idiotisch“ http://diestandard.at/1369361741183
        – FIFA: Erstmals Frau im Exekutivkomitee http://diestandard.at/1369362273151
        – Als Paria verstoßen http://diestandard.at/1363711351259

        Um nur einen schnell zusammengestellten Auszug zu geben …

      • ad 27%: diese Zahl wurde schon oft zerpflückt und als unwahr entlarvt. Z.b. hier http://www.iwkoeln.de/de/presse/veranstaltungen/beitrag/pressekonferenz-beschaeftigungs-und-karriereperspektiven-von-frauen-102502
        Des weiteren ist es gesetzlich verboten Frauen in der gleichen Branche, bei gleicher Ausbildung, etc. schlechter zu entlohnen. Es gibt also vor dem Gesetz keine Diskriminierung.

        ad Forschung: sehr subjektiv. Lustigerweise trauen auch Frauen Männer mehr zu. Nur dieses „Zutrauen“ kann man nicht mit aktiver Diskriminierung gleichstellen.

        ad Polanski: ist mir egal was der sagt; genauso wie ich die „Mädels“ vom Cafe Rosa lächerlich finde (nr so als Bsp).

        ad FIFA: genauso wer im Fußballverband sitzt ist mir egal. Und was hat die Frau die in das Komitee gewählt wurde mit Diskriminierung zu tun?

        ad. Sudan: fernab von Österreichischer Gesetzgebung. Gibt es deswegen eine diskriminierende Gesetzgebung bei uns, z.b. die bereits erwähnte Pension oder Obsorge?

      • Ich geh auch raus. Das Augen-verschließen vor den negativen Auswirkungen der „positiven“ Diskriminierung ist mir unverständlich.

    • Eine Gleichstellung wie in den Gender Mainstreaming Konzepten, vor denen sich so viele Männer (und einige Frauen) anscheinend fürchten, ist keine einfache Gleichsetzung. Frauen leisten nach wie vor einen Großteil der Versorgungs- und Pflegearbeit in der Familie, sie bekommen auch Kinder – das wiegt wohl neun Monate sogar in der Zivildienst Alternative auf. Die Wehrpflicht ist übrigens ein Standardargument, der AntifeministInnen.
      Ich erlebe diese Diskussion nun mehr als 30 Jahre mit. Mehr als ein Mann – und allzuoft Vorgesetzter – hat mir erklärt wie hinderlich das so hässliche Binnen-I beim Lesen sei. Das Auge bleibe hängen, der Lesefluss würde gestört. Wundervoll, wollen wir das nicht, dass der Lesefluss durch irgendwas gestört wird, an dem das Auge hängenbleibt. Das jemand Inne(n) hält?Klar müssen die guten wie die Bösen in der Sprache egegendert werden – in der Organisation, für die ich arbeite spricht man gerne von ArbeitnehmerInnen und Arbeitgebern, den Impuls halte ich für falsch.
      Ich bin Feministin – weil ich Frau bin und jede Menge Ungleichbehandlung, Sexismus und Unterdrückung bei mir und anderen erlebt habe. Und ich bin für Gender Mainstreaming, weil es viel soziale Geschlechter gibt und ich für Chancengleichheit im Allgemeinen bin. Zeichen sind notwendig, sichtbar machen. Mit der von Martenstein im Zeit Magazin scharf attackierten Genderforschung hat das wenig zu tun.
      Ich stimme mit der Rieglerin überein, dass die Aufregung rund um die Uni Leipzig unter manchen Herrn Doktorinnen und Professorinnen auf FB schon etwas Interessantes hatte – diesselben, die bei anderen Diskussionen meinen, ob es nichts wichtigeres gäbe als das Binnen-I reden nun von Schwachsinn und blödheit. QED.
      Nicht auf das "Gendern" vergessen, heißt nicht auf die LeserInnen vergessen, also sie bewusst mitzudenken. Dass das nicht automatisch passiert ist mittlerweile mehrmals belegt.

      • Sorry, aber zum Zivildienst wird man gezwungen. Kinder bekommt man freiwillig. Und genauso erfolgt Pflegearbeit in der Familie freiwillig, bzw. im Konsens mit anderen Familienangehörigen.
        Und ich erlebe als Mann auch Sexismus. Z.b. bei Stellenausschreibungen an der Universität. Ist es fair junge Männer zu diskriminieren? Diese haben ja wohl kaum von irgendeinem System der vergangenen Jahrzehnte oder jahrunderte profitiert, oder?

  2. Also ich muss sagen dass ich mir wirklich keine Sorgen darüber mache, dass mir etwas weggenommen wird. Wenn ich wirklich Angst hätte oder gegen die Gleichstellung wäre, würde ich hier nicht Posten sondern mir einfach abfällig meine Gedanken machen. Ich trete jeder Person mit Respekt gegenüber, ob Frau, Mann, Menschen mit Handicap, Kindern oder Ältern. Es stimmt und ich bin in vielen Punkten auch der Meinung dass es noch sehr viele Sachen gibt an denen gearbeitet werden muss, aber wenn ich heute einen Wehrpflichtigen frage, wird er mit sicher antworten dass er dagegen ist, aber wir haben die Wehrpflicht.

  3. Darauf gibts eigentlich eine ganz einfache Antwort. Es ist eine Macht- und Kontrollfrage und damit auch eine des Respekts und der Achtung. Niemand gibt gerne freiwillig Macht ab und das ist so auf allen Ebenen und bei allen Thematiken. Wir brauchen nur in der Weltgeschichte oder heute in den aktuellen Zeitungsartikeln zu blättern Überall dasselbe. Die Frauen möchten im Allgemeinen einfach nur gleichberechtigt ohne Gewalt, Druck, und Sexismus leben und sehen sich jetzt durch Antifeministen in einen Machtkrieg verwickelt. Das ist schon seit Jahren abzusehen und je mehr Gegenwind es von Frauenseite gibt, zu desto größeren Keulen werden sie greifen, um das, worauf sie scheinbar ein Anrecht zu haben glauben, zu verteidigen. Tiefer gibts da, glaub ich, garnichts zu schürfen. Macht, Kontrolle, Gier regieren die Welt und genau das trifft auch auf die Antifeministen zu. Sie wollen ihren Status wieder, den sie noch vor Jahrzehnten hatten.

  4. In welcher Hinsicht gibt es denn keine Gleichberechtigung für Frauen? Gibt es dazu aktuelle Fälle: z.b. einen Gesetzestext in dem Frauen benachteiligt werden?
    „Feminismus“, und ich setz das jetzt absichtlich unter Anführungszeichen, ala Heinisch-Hosek macht mir Angst, denn genau in diesen Fällen geht es um Privilegienerhalt (z.b. Pension, Obsorge) ohne einen klar ersichtlichen Grund. Der EMGR hat im Fall es Pensionsantrittsalters ein deutliches Urteil abgegeben. Außer ein „mit mir nicht“ kam von HH nichts. Ja, das macht mir Angst.

  5. Ich verstehe als Mann diese Angst absolut nicht – mir hat das Buch „Die Söhne Egalias“ die Augen geöffnet. Sollte man vielleicht anderen „ängstlichen Männern“ schenken …

    Norbert

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