Udo Proksch: Ein politisches Lehrstück für das Jahr 2013

Es ist jetzt schon ein paar Tage her, da zeigte ORFIII Robert Dornhelms Doku „Udo Proksch – Out of Control„. Nun habe ich den Fall Lucona als Kind nur am Rande mitbekommen. Als Proksch 1989 verhaftet wurde war ich gerade mal neun Jahre alt. Später habe ich mich nicht damit auseinander gesetzt. Folglich war mir vieles, was in der Doku zu sehen war, neu. Aber auch ein Augenöffner.

Proksch konnte andere (wichtige) Menschen mit großen Worten und spektakulären Ideen umgarnen. Gelernter Schweinehirt, Designer, Besitzer der Hochzuckerbäckerei Demel, Waffenhändler, Gründer der Vereine „der Senkrechtbegrabenen“ und CUM (Civil und Militär), Mitgründer des (SPÖ-) Clubs 45. Für seine Militärspielereien soll er vom österreichischen Bundesheer ausrangierte Flugzeuge, LKWs und Sprengstoff erhalten haben. Zum Spielen. Letztendlich wurde er im Fall Lucona wegen sechsfachen Mordes verurteilt.

Die Verklärung, mit der (ehemalige) PolitikerInnen, Lebensgefährtinnen, Medienmenschen und andere prominente WeggefährtInnen in der 2010 veröffentlichten Doku noch von Proksch reden ist erstaunlich.

Udo Proksch ist als Enfant terrible der Austro-Society und „mörderischer Hofnarr der roten Schickeria“ (rau, DER STANDARD, 13./14.4.2013) in die Chroniken der jüngeren, österreichischen Geschichte eingegangen. Eine reale Polit-Satire.

Aber er bleibt auch ein Symbol für das, was sich hinter den Kulissen abspielt: Eine Hand wäscht die andere. Zwischen Politik, Großkonzernen und Einzelpersonen fließen Millionenbeträge. Wofür genau? Daran können sich Beteiligte im Nachhinein oft nicht erinnern. Firmen lobbyieren die Grundlage ihrer Geschäftsmodelle in Gesetze hinein und weichen damit Bürgerrechte auf.

„Wer verstehen will, was dieses Land im Innersten zusammenhält, kommt um den Genuss dieses Lehrfilms nicht herum. Großes Schulfernsehen für Nachgeborene“, schreibt Ronald Pohl punktgenau im STANDARD zur ORFIII-Ausstrahlung der Proksch-Doku. Wer das Geld hat, bestimmt. Wer den Geldgebern und Entscheidern Flöhe ins Ohr setzen kann, ist mächtiger als die Spitze der Politik. Bei der nächsten Nationalratswahl im Herbst sollte man sich nicht von Parteiprogrammen blenden lassen, sondern einen Blick hinter die Kulissen werfen. Gelegenheit dazu gab es in den vergangenen Monaten genug.

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