Ernst Strasser: Der Edward Snowden aus Grieskirchen?

Halten wir fest: im Jänner 2013 ist Ernst Strasser zu vier Jahren unbedingter Haft wegen Bestechlichkeit verurteilt worden (nicht rechtskräftig.) Für den Richter stand fest, dass der ehemalige ÖVP-Innenminister Geld für seine Einflussnahme auf die Gesetzgebung verlangt hat. Strassers Verteidigungslinie: er dachte, die zwei Undercover-Journalisten der „Sunday Times“ seien in Wahrheit Geheimdienstmitarbeiter, die er überführen wollte. Richter Georg Olschak kommentierte: „Es gehört zum Abenteuerlichsten, was mir in meiner 20-jährigen Laufbahn untergekommen ist.“

Nun wurde in den vergangenen Wochen bekannt, dass die USA im großen Stil nicht nur die Internet-Kommunikation von Nicht-US-Bürgern überwacht, sondern auch Wanzen in den EU-Gebäuden versteckt und Vertretungen der EU-Länder auf US-Boden ausspioniert haben soll. (Nachzulesen hier.)

Man kombiniert also: Strasser hat eigentlich nur dasselbe wie Edward Snowden getan, der die geheimen Unterlagen über die Überwachung dem britischen Guardian zugespielt hatte und kurz darauf in die Öffentlichkeit trat. So sieht das jedenfalls Strasser. Auf seiner Facebook-Seite schreibt er:

„Vor mehr als 2 Jahren wurde ich ausgelacht und an den Pranger gestellt, weil ich genau das, was jetzt durch Snowden nach und nach ans Tageslicht kommt, festgemacht habe. Schulz, Swoboda und ein Großteil der Medien, die die damalige Kampange geführt haben, brauchen nur nachzulesen, was ich vor mehr als 2 Jahren zu Protokoll gegeben habe. Natürlich haben da mehrere Dienste zum Nachteil Europas mit System bewußt mitgehört, abgehört und mitgeschnitten.“

Natürlich ist es möglich, dass Strasser tatsächlich zwei Geheimdienstagenten vor sich glaubte. Freilich könnte es sein, dass er die beiden auffliegen lassen wollte. Nur kam dabei nicht mehr heraus, als ein vor Gericht geäusserter Verdacht, der vom Gericht als Schutzbehauptung eingestuft wurde. Er habe die vermeintlichen Agenten anzeigen wollen. Das geschah allerdings nicht. Gegen das Urteil hat Strasser Berufung eingelegt. Eine Entscheidung könnte im Herbst fallen.

Snowden hingegen hat sein bisheriges Leben aufgegeben, um einen Skandal von internationaler Reichweite aufzudecken. Sollte er in die USA zurückkehren, dürfte ihm ein ähnliches Schicksal wie Wikileaks-Whistleblower Bradley Manning blühen, der 2010 verhaftet wurde. Seht ihr Parallelen zu Strasser? Ich auch nicht.

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