Für alle, die sich fragen: „Soll ich ‚Magic Cleaning‘ lesen?“

„Magic Cleaning“ ist der nicht mehr ganz neueste heiße Scheiß in den Ratgeberregalen. Das Buch ist bereits vor ein paar Jahren erschienen, wird aber derzeit in meiner Facebook- und Twitter-Timeline hochgejubelt. Ich habe mich auch dazu hinreißen lassen, es zu lesen (Weil: Der Status meiner Wohnungsaufgeräumtheit ist vom Typ „kreatives Chaos“.)

Wer hat’s erfunden?

Die japanische Autorin Marie Kondo arbeitet als Ordnungsberaterin bzw. professionelle Aufräumerin. Sie hält Seminare und schreibt Bücher über die von ihr entwickelte KonMari-Methode. Eine Frau, die eine Idee nach sich selbst benannt, sticht schon mal heraus – denn nicht viele Frauen haben so viel Selbstbewusstsein. Ihr erstes Buch erschien 2011, 2013 folgte die deutsche Übersetzung.

Und was genau?

Kondo verspricht, wenn man nach ihrer Methode aufräumt, wird man nie wieder eine schlampige Wohnung vorfinden. Und tatsächlich gibt sie einige Tipps, die simpel aber sehr nützlich sind. In erster Linie geht es beim ersten Band von „Magic Cleaning“ darum, dass man seine Wohnung einmal ordentlich ausmisten soll. Dafür gibt es einige praktische Tipps nach welchem Schema das passieren soll. Dann beschreibt Kondo wie man das übrig gebliebene Zeugs ordentlich verstaut.

Wo liegt jetzt das Problem?

So weit, so gut. Aber: Kondo kann nicht schreiben und sie hat eine Vorstellung von Glück, die man eher in Waschmittelwerbungen findet, als im echten Leben. Das Buch besteht zu 10 Prozent aus nützlichen Tipps, zu 40 Prozent aus mehr oder (meistens) minder spannenden Anekdoten, zu 30 Prozent aus esoterischem Humbug  und zu 20 Prozent aus Wiederholungen. Wieso esoterischer Humbug? Kondo glaubt, dass Kleidungsstücke glücklich sind, wenn man sie angreift. Und sie glaubt, dass man nur mit einer (nach ihrer Methode) aufgeräumten Wohnung wirklich zufrieden sein kann. Sie glaubt, dass einen jedes Stück in der Wohnung glücklich machen muss. (Mich versetzen ja eher andere Menschen und bestimmte Momente in einen Zustand, den ich als glücklich bezeichnen würde, keine aufgeräumte Sockenschublade.) Und sie schließt bei unaufgeräumten Wohnungen teilweise auch auf Defizite bei Psyche und Persönlichkeit.

Soll ich es lesen? 

Ich denke durchaus, dass man seine Wohnung mit ihrer Methode effizient und sinnvoll aufräumen bzw. in erster Linie ausmisten kann. Aber die Essenz ihrer Methode hätte sie auch auf 10 Seiten unterbringen können (eine Broschüre lässt sich nur dummerweise nicht Millionen-fach verkaufen).

Wer die Methode also ausprobieren will, sich aber bei Kondos zähen Erzählungen und dem esoterischen Firlefanz nicht langweilen will: googelt ihre Methode, schaut ihre YouTube-Videos. Und gut ist.

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2 Gedanken zu „Für alle, die sich fragen: „Soll ich ‚Magic Cleaning‘ lesen?“

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