Postkarten: Der bessere Retro-Trend als Pokémon

Schöne Postkarten

Schöne Postkarten

Man schreibt sich ja keine Briefe mehr. Und ich finde das auch gut, weil meine Handschrift eine Sauklaue ist und ich wichtige Dinge sowieso sofort mitteile, wenn sie mitgeteilt werden müssen (wenn z.B. jemand grelle neue Schuhe gepostet hat und ich dazu gratulieren muss). Eine ganz andere Baustelle sind da Postkarten. Weil warum? Weil darum:

  • Eine Postkarte ist nicht so anstrengend zu formulieren wie ein Brief – das Motiv spricht ja meist schon für sich. Da reicht ein „Hallo Du! Grüße, ich“.
  • Eine Postkarte zeigt: Hey, ich denk‘ an dich! Ob man nun in der Trafik ums Eck steht und bei der Kätzchenglitzergrußkarte an eine Freundin denken muss oder sich im Urlaub eine Erinnerung im Handy geschrieben hat „Postkarte an Marion nicht vergessen“ (und dann kein Postamt mehr findet und die Karte von zu Hause abschickt.)
  • Eine Postkarte kann man immer schicken, man muss nicht auf den Urlaub warten. (Siehe: Kätzchenglitzergrußkarte aus der Trafik.)
  • Es gibt so viele schöne Motive. Am Besten sind die hässlichen.
  • Man lernt auch viel. Zum Beispiel, dass es in der Post inzwischen total moderne Briefmarkenautomaten gibt, an denen man die 0,68 Euro für die Postkarte ausschließlich per Bankomat- oder Kreditkarte zahlen kann.
  • Aus Postkarten kann man schöne Wanddekorationen basteln. Wenn sie verstaubt sind, pinnt man einfach eine neue Postkarte drüber.
  • An Postkarten kann man sich auch noch nach Jahren erfreuen. („Jö, kannst Dich erinnern, als ich die Phase gehabt hab, wo ich geglaubt hab‘ Postkarten schicken ist wieder cool?“)
  • Postkarten sind auch praktisch. Man kann sich damit kühle Luft zuwacheln. Einen geraden Strich ziehen. Oder Brösel vom Tisch wischen.

Oder kurz gefasst: Postkarten sind super, schickt mehr Postkarten!

PS: Ihr fragt Euch beim Titel dieses Blogeintrags sicher: Was haben Postkarten mit Pokémon zu tun? Die Antwortet lautet: Gar nichts, mir ist nur kein besserer Titel eingefallen.

Favoriten, meine Hood: die besten Plätze im 10. Bezirk

Und wieder einmal Favoriten. Leute, die innerhalb des Gürtels wohnen, rümpfen ja gerne die Nase, wenn man erzählt, dass man im 10. Bezirk wohnt. Jetzt hat es Favoriten auch wieder einmal in die Medien geschafft. Martina Salomon hat im Kurier den bevölkerungsreichsten Bezirk Wiens als „No-Go-Zone“ verunglimpft (und prompt Antwort von Robert Musik und der daStandard.at-Redaktion erhalten.)

Ich kenn mich ja ein bisserl in Favoriten aus: ich bin hier in Kindergarten, Volksschule und Gymnasium gegangen und wohne mit Unterbrechung von ca. 1,5 Jahren in der dritten Wohnung schon mein ganzes Leben lang hier. Ist es der schönste Fleck auf Erden? Sicher nicht. Will ich immer dort wohnen? Muss auch nicht sein. Aber Favoriten hat viel Interessantes, Cooles, Bemerkenswertes und Schönes zu bieten. Hier ein Auszug (in der Reihenfolge, wie mir das alles jetzt eingefallen ist):

Kurpark Oberlaa: großer, schöner Park mit Streichelzoo, in den 1920er-Jahren Filmgelände
Therme Wien: Outdoor-Schwimmen im Winter
Laaer Wald: Ruhiges Vogelschutzgebiet
Böhmischer Prater: Mini-Prater mit eigenem Flair
Waldmüller-Park: Kleine Parkanlage mit historischem Gräberhain
Erholungsgebiet Wienerberg: Ziegelteich, va zum Austoben für Hunde
Schallplatten Brigitte: Ein Favoritner Original, Schallplatten-Verkauf seit 1959 (!)
Kurkonditorei Oberlaa: Mehlspeishauptquartier
Eisring Süd: ein Highlight, als ich noch ein Kind war
Ankerbrot Fabrik: sehr schöne Anlage
Domenig-Haus: ehemalige Z-Sparkasse mit futuristischer Fassade
Amalienbad: schöne Jugendstilarchitektur
Wasserturm: tolles Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert, Ausstellungsraum
Spinnerin am Kreuz: Denkmal aus dem 14. Jahrhundert und Wiener Sage
Generali Arena (früher Horr-Stadion): Heimatstadion der Austria
Galerie OstLicht: Fotoausstellungen
Fußgängerzone Favoritenstraße, Columbus-CenterViktor-Adler-Markt: ausgezeichnete Nahversorgung
Johanneskirche in Unterlaa: eine der ältesten Kirchen Wiens, vermutlich 11. Jahrhundert
Bierochs: Uriger Bierkeller
Würstelstand Südtirolerplatz: ist das noch 4. oder schon 10.? Egal: wichtig für Nachtschwärmer, die aus der City in den 10. nach Hause fahren
Eissalon Tichy: berühmt für sein Eis (unter uns: der Gavaz Nähe Keplerplatz ist aber besser)
Bahnorama: Aussichtsturm am Südtiroler Platz mit Blick über ganz Wien
Hotel Favorita: 1902 erbautes, in den 90ern renoviertes Viersterne-Hotel mit hübscher Jugendstil-Fassade
U1: in 15 Minuten in der Innenstadt

Ich fordere: Sharknado muss ins Kino!

Ich mag Trash-Filme. Filme, die so schlecht sind, dass man sie einfach lieben muss. Der neueste Zugang in dieser Kategorie ist Sharknado. Ein Tornado saugt Haie aus dem Meer, die fallen über Land wieder runter und fressen im Flug Menschen. Hauptdarsteller: Ian Ziering – Kinder und Teenies der 90er kennen ihn als „Steve“ aus Beverly Hills 90210 (dem Original natürlich!) und „Bunny Lebowski“ (Tara Reid)! Muss ich mehr sagen? Ich denke nicht.

Ich will diesen Film im Kino sehen! Oder zumindest im Rahmen eines gepflegten Public Viewings, in Wien. Bitte. Irgendwer?

Update 8.8.2013:

Strike! Sharknado wird laut Presse im September im Rahmen des Slash Film Festivals im Filmcasino gezeigt.

30. Donauinselfest – Eine wienerische Hassliebe

Das Donauinselfest liebt man entweder oder man hasst es. Menschenmassen schieben sich in flirrender Hitze zwischen Grill- und Curry-Buden, Ramsch-Standeln und den Show-Bühnen hin und her. Günstiges Bier muss eingeschmuggelt, Kinder und Hunde ohne zertreten überwunden werden. Je später der Abend desto besoffener die Gäste.

Wer tut sich das freiwillig an? 2012 immerhin 3 Millionen Menschen und ich seit 1994 fast jährlich auch. Weil es zum Sommer in Wien dazugehört und ab und an musikalische Highlights hervorbringt.

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Foto: Donauinselfest 2012, Soupshop und der Bürgermeister.

Ich habe auf der Insel in diesen Jahren unter anderem Billy Idol, Kim Wilde, die Leningrad Cowboys, DJ Shantel, Die Toten Hosen, Seelig, Mo, Silbermond, Amy MacDonald, die Kelly Family, Reinhard Fendrich, die Backstreet Boys, Attwenger, Russkaja, Kreisky, Right Said Fred, Toto, Opus etc. gesehen, ganz zu Schweigen von Dutzenden unbekannteren Bands. Bei weitem nicht alles davon war gut, einiges legendary.

Die meisten großen Acts lasse ich mittlerweile aus, zu viele Leute, zu viel Gedränge, zu lange Wege zu den Toiletten. Meine Empfehlung: die Pro-Ge-Bühne (Arbeitswelt Insel), mit nur wenigen Gehminuten zur U1. Am Freitag spielen dort um 17:00 Souphop, direkt im Anschluss um 18:15 The Nose. Zwei großartige Wiener Bands, die mit Skapunk und dreckigem Rock den besten Einstieg ins Wochenende geben (und sich rein zufällig auch aus ein paar meiner liebsten Freunde zusammensetzen).

Wer noch nie am Donauinselfest war, sollte ihm einmal eine Chance geben. Daher: Sonnenbrille auf die Nase, Sommerspritzer in die Hand und auf zum Inseltreiben!

Berufshindernis Tattoo? Lieber bunt als braun!

Nachdem ich hier kürzlich in einem Beitrag erwähnt habe, dass eine Flugbegleiterin aufgrund ihres Maori-Tattoos bei Air New Zealand abgelehnt wurde, bin ich auf folgenden derStandard.at-Artikel gestoßen: einer Umfrage von Xing zufolge kommen Tattoos und Piercings bei Recruitern nicht gut an. 47 Prozent der Befragten finden es demnach nicht in Ordnung, wenn man in (Xing-)Profilbildern Tattoos sieht. Das überrascht mich nun doch etwas.

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Ich war der Ansicht, dass Tattoos und Piercings mittlerweile breitere gesellschaftliche Akzeptanz gefunden haben. Klar: Hakenkreuze oder ähnliche Symbole sind nicht akzeptabel. Und sich das Gesicht wie einen Totenschädel permanent verzieren zu lassen, mag Kunden bei einem Anlageberater eventuell auch abschrecken. Aber dass beispielsweise ein bei kurzen Shirts sichtbares Tattoo am Arm oder ein Nasenpiercing – Dinge eben, die auf einem Profil- oder Bewerbungsfoto zu sehen sein könnten – auch schon als unprofessionell oder gar unseriös gelten, finde ich bedauerlich.

Eine kurze Suchabfrage bei der WKÖ listet in Österreich 366 gewerblich eingetragenen Tätowierer. Eine Studie, wieviele Personen tätowiert sind, habe ich nicht gefunden. Es reicht aber wohl ein Blick im Sommer auf entblößte Waden, Arme oder Rücken, um festzustellen, dass Tattoos weit verbreitet sind.

Eine Spur mehr Toleranz würde bei Personalentscheidern (und anderen Tattoo-Gegnern) nicht schaden. Immerhin: was jemand auf der Haut trägt, sieht man, was er oder sie im Kopf hat, nicht. Und wie hat einer meiner Tätowierer einmal so treffend gesagt? Lieber bunt als braun.

Tilda Swinton ist heißer als Miley Cyrus

Miley Cyrus ist vor Selena Gomez laut den Lesern des US-Männermagazins Maxim also die heißeste Frau der Welt. Wer ist denn die Zielgruppe dieser Zeitschrift, 12-Jährige? Eine Frau, die alle Mileys und Selenas der Welt wegschnupft, ist Tilda Swinton.

Filmografie und Auszeichnungen der schottischen Schauspielerin sind Kilometer lang. Kürzlich ist sie mir aber im Musikvideo zu David Bowies „The Stars (Are Out Tonight)“ aufgefallen. Vom biederem Vorstadt-Housewife bis zum Partyluder nimmt man der 52-Jährigen jede Rolle ab. Mal sehen, ob Miley das in 30 Jahren auch schafft.

Fuck yeah! Hand-geklopfte Tattoos

Mein erstes Tattoo habe ich bereits mit 15 Jahren stechen lassen. In den 90ern ging noch die Mär des „Bio-Tattoos“ um, das nach einigen Jahren verschwinden sollte. Das hat natürlich nicht funktioniert. Seither kamen ein paar weitere Peckerl dazu (und darüber). Ich kann sagen: es tut weh. Egal, was andere aus Angeberei behaupten. Meine längste und schmerzhafteste Erfahrung bisher zwaren zwei mal zwei Stunden am Oberarm.

Bei einer elektrischen Tätowiermaschine stechen die Nadeln etwa 800 bis 5.000 Mal pro Minute zwischen 0,04 und 1,5 mm tief unter die Haut (Quelle: tattoo-frei.com) Wie intensiv die Schmerzen sind, hängt von der Körperstelle ab. Dort, wo die Haut dünner und empfindlicher ist, tut es logischer Weise besonders weh.

Das Interessante ist, dass die traditionelle Tattoo-Technik mit dem Tätowierkamm weniger schmerzvoll sein soll. Das behaupten zumindest Personen, die den Unterschied kennen. Der Kamm wurde unter anderem von polynesischen Völkern benutzt, woher auch das Wort „tatau“ stammt. (Wer mehr darüber erfahren will, kann bei Augustin Krämer nachlesen: Hawaii, Ostmikronesien und Samoa.)

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Die traditionelle Tattoo-Technik wird auch heute noch eingesetzt. Auf der Wildstyle 2012 etwa war Brent McCown zu Gast (siehe Foto), der seinen Shop übrigens im weniger exotischen Landskron hat, und demonstrierte seine Künste am lebenden Objekt.

Auch die unverwechselbaren Tattoos der Maori feiern seit einiger Zeit ein Comeback, wie DER STANDARD am 4. Juni berichtete. Selbst die traditionelle Gesichtstätowierung, „Ta Moko“ genannt. Das Tattoo im Gesicht sei jedenfalls auch heute wieder „ein Zeichen für Kraft, Wohlstand und soziale Stellung“, wenngleich mit Problemen im Berufsalltag zu rechnen ist. Einer Frau wurde laut dem Bericht die Position als Flugbegleiterin bei der Air New Zealand wegen eines solchen Tattoos am Arm verwehrt.

Ein Tattoo auf diese traditionelle Art stechen zu lassen, kann ich mir jedenfalls gut vorstellen. Aber nicht im Gesicht.

(Der Titel lehnt sich übrigens an den großartigen Blog FYTattoos.com an, falls jemand eine Inspirationsquelle benötigt.)

Das neue Yps ist da! Ein „Unboxing“

Ja ich habe ein Yps-Abo. Ein wundervolles Geburtstagsgeschenk, nachdem ich die erste Ausgabe der Neuauflage nicht ergattern konnte. Mittlerweile ist schon das dritte neue Heft erschienen und heute bei mir in Postkasten gelandet. Ausgabe 1260 mit dem Gimmick „Solar-Zeppelin“.

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Der Solar-Zeppelin – Entschuldigung – der Riesen-Solar-Zeppelin ist drei Meter lang und besteht im Wesentlichen aus einer schwarzen Plastikhülle und einer Schnur. Das erste Mal erschien er im Jahr 1980 (mein Geburtsjahr!) im Sonderheft Yps Extra Nr. 3, lernt man im Beipacktext zum fliegenden Mistsackerl. Ein weiteres Mal 1984. Ein Aufreger! Die dpa soll gar von „kleinen Ufos“, die Piloten „erschrecken“ geschrieben haben.

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Wie das ganze funktioniert? Man bläst das Ding auf und wartet in der Sonne bis sich die Luft im Ballon erwärmt, ausdehnt und aufsteigt. Dann steht man also da mit einem drei Meter langen, schwarzen, fliegenden Ungetüm, kommt sich selbst cool und den anderen suspekt vor. Ich werde es vielleicht im Sommerurlaub in Kärnten ausprobieren (da fällt man beim Suspekt-Sein weniger auf.)

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Das neue Yps hat noch ein zweites Gimmick. Das Cover lässt sich zu einem Segelflieger falten (ein neues Geschäftsmodell für Printzeitungen?). Mein Flugversuch ist etwas kläglich ausgefallen.

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Den Rest des Inhalts verrate ich nicht. Kauft es euch selbst. Viel Spaß damit!