Beim Herrn Doktor am Fließband

Zum Glück muss ich nicht so oft zum Arzt. Ab und zu dann halt schon und in letzten Zeit ein paar Mal öfter. Und das war dann in etwa so.

Arzt A: „Frau Riegler, hatten sie einmal die Operation XY“?
Ich: „Ja“
Arzt A: „Wie lang ist das denn her?“
Ich: „Ca. 5 Jahre“
Arzt A tippt was in den PC: „Verstehe“.
Ich denke: „Wieso haben Sie das nirgends im Computer, es war bei Ihnen?!“

Arzt B nach 1 Minute im Mund herumtasten: „Ich fürchte, das ist etwas ganz Seltenes, da wird Ihnen sehr viel Zahnsubstanz verloren gehen und ohne richtige Anästhesie werden Sie morgen höllische Schmerzen haben.“
Ich, zitternd: „Können die Schmerzen nicht doch mit dem Schnupfen zusammenhängen?!
Arzt: „Achso, ja gehen Sie mal zum HNO.“

Arzt C (der HNO) fragt wie ein Roboter nach Symptomen, fuchtelt nebenbei in meiner Nase herum, schreibt mir Medikamente auf.
Ich: „Ääääaaahhhhhiiiiieeeeechz würg“
Arzt C, in einem Anflug von Interesse: „Was machen Sie denn beruflich.“
Ich: „Ich bin Journalistin:“
Arzt C schaut mich erstmals wie einen Menschen und nicht wie Virenschleuder an: „Oh, interessant, wo denn?“

Gehilfin von Arzt D: „Also was habens denn?“
Ich erzähle meine Rückenschmerzgeschichte.
Gehilfin von Arzt D tippt alles in den PC und geht.
Arzt D kommt ins Zimmer: „Also was habens denn?“
Ich erzählt exakt das selbe nochmal.

Ich will nicht übermäßig viel über das Gesundheitssystem jammern, immerhin bin ich versichert und die medizinische Versorgung in Wien ist gut. Aber trotzdem wäre es schön, nicht wie ein Werkstück am Fließband behandelt zu werden. Erst recht für Leute, die aufgrund chronischer Leiden oder Krankheiten noch viel öfter zum Arzt müssen. Ein Patient ist halt mehr als die Summe seiner einzelnen (kranken) Teile.

Pograpschen: Eine Anleitung für Dummies

Weil mich die Geschichte mit dem Pograpschen noch immer ärgert und ich gerade zwischen dem letzten Hustenanfall und dem nächsten Neocitran-induzierten Schlaf etwas Zeit habe: eine Anleitung, wann es in Ordnung ist den Hintern einer Frau zu berühren.

Bist du mir ihr in einer (fixen oder losen) Beziehung?
Ist sie deine Tochter und du wechselst ihre Windeln?
Ist sie deine Patientin und will sich ein Muttermal vom Hintern entfernen lassen?
Ist sie deine Oma und und du wechselst ihre Windeln?
Hat sie sich auf eine Kuchengabel gesetzt und benötigt erste Hilfe?
Steckt sie in einem Abflussrohr fest und du musst anschieben um sie zu befreien?
Stichst du ihr ein Tattoo auf den Hintern?
Seid ihr in einem Malaria-Gebiet und eine Stechmücke sitzt auf ihrem Hintern?
Hat sie sich versehentlich in der U-Bahn auf deine Hand gesetzt?
Ist sie dein Hund oder deine Katze?
Bist du ihr Masseur und sie hat einen Krampf im Hintern?
Bist du ihr Enthaarungsspezialist (und sie ungewöhnlich stark behaart)?
Bist du auf einem Konzert, sie sitzt vor dir auf den Schultern ihres Freundes und beide drohen nach hinten zu kippen?
Steht ihr Hintern in Flammen?
Hat sie einen Atemstillstand und gehört zu einer außerirdischen Spezies, deren Lungen sich rücklings in südlicher Region befinden?
Steht auf ihrer Hose ausdrücklich: Pograpschen erwünscht?

Nein? Dann lass es!

Bei diesen 3 Technologien bin ich altmodisch

Als Technologie-Journalistin ist man meist zwangsläufig early adopter. Zwar landen nicht alle neue Gadgets im eigenen Besitz, aber man kommt schnell dazu das neueste iPhone, das letzte Tablet oder die aktuellste Smartwatch auszuprobieren. Jetzt hab ich auch gerne immer ein (fast) aktuelles Smartphone und einen nicht zu alten Laptop, aber bei einigen Technologien muss ich sagen: danke, aber nein danke.

E-Book-Reader: ja, sie sind praktisch und leicht und man kann immer und überall Bücher nachkaufen. Aber obwohl ich keine Print-Zeitungs- und -Magazin-Leserin bin (oder nur sehr selten), fehlt mir beim E-Book die Haptik des Gedruckten. Mir fehlt der Geruch vom Papier und die Coverart. Man kann mit E-Books auch keine Türmchen am Nachtkastl bauen und keine Regale schmücken. Eine Wohnung ohne Bücher ist auch rein optisch wie ein Hotdog ohne Senf. Oder Fiaker ohne Hut. Fehlt was.

Wearables: ich probier sie gerne aus und schau mir neue Gadgets gerne an, aber tragen werden ich sie so bald nicht. Smartwatches erstens nicht, weil mich schon normale Uhren am Handgelenk sehr stören, zweitens weil die aktuellen Modelle einfach unfassbar hässlich sind. Und weil ich außerdem ohnehin jede Minute am Smartphone hänge. Da brauch ich nicht noch ein weiteres Gerät, das mir mitteilt wann ich eine Nachricht bekommen habe oder wann es Zeit ist, der Schwester zum Geburtstag zu gratulieren. (Morgen übrigens, steht eh am iPhone). Gleiches gilt für Datenbrillen im Alltag. Setz ich mir doch nicht auf, wenn ich schon meine normale Brille nicht aufsetze und stattdessen Kontaktlinsen trage. (Fitnessarmbändern nur für Sport könnte ich schon etwas abgewinnen, aber bei meiner bevorzugten Sportart, dem Indoor-Rudern, bringen GPS-Tracker jetzt nicht sehr viel.)

Smart TVs – derzeit zumindest: ich habe noch immer einen Röhrenfernseher zu Hause. Er müsste jetzt ca. neun Jahre alt sein. Für den Fall, dass ich fernsehen will, tut er es noch immer. Kommt seit längerem höchstens einmal im Monat vor. Wenn überhaupt. (Da können sich die Sender bei Netflix bedanken). Wenn er den Geist aufgibt, kaufe ich mir natürlich einen Flatscreen. Ich bin also nicht grundsätzlich gegen Smart TVs, sondern sehe nur keinen Grund, wieso ich mir einen anschaffen sollte, solange meine Röhre noch röhrt. Was mich an Smart TVs dann aber doch stört sind integrierte Kameras und Mikrophone. Das will ich nicht im Wohnzimmer, auch die Webcam meines Laptops ist überklebt.

Dafür sind Smartphone und Laptop ganz zentrale, persönliche und wichtige Utensilien für mich. Privat und beruflich. Mehr brauch ich nicht.

Mein Name ist Birgit und ich bin ein Online-Junkie

Ich sag’s wie’s ist: das Internet überfordert mich allmählich. Der ständige Schwall an Informationen, in den man permanent über Smartphone (unterwegs), Laptop (zu Hause) und Desktop (in der Arbeit) freiwillig eintaucht um ja nichts zu verpassen. Ich habe Netflix. Hurra. Jetzt kann ich stundenlang am Abend in Serien und Filmen surfen und mich erst recht nicht entscheiden, was ich sehen will. Fast stündlich auf Twitter und Facebook nachlesen, was Bekannte, Kollegen, Freunde treiben. Auch in der Freizeit Arbeits-E-Mails checken. Und im Urlaub in jedem Restaurant nach freiem WLAN suchen, um Fotos posten zu können.

Mir wird das alles zu viel. Ich merke, dass es mir öfters schwer fällt mich durchgehend zB auf einen Filmen zu konzentrieren ohne aufs Handy zu schauen. Mehrere Stunden konzentriert ein Buch zu lesen oder entspannt in einem Magazin zu blättern, ohne Mails, und Social Media immer im Hinterkopf zu haben. Und jetzt reicht’s mir damit.

Was also tun? An einen kompletten Internet-Entzug ist nicht zu denken. 1. weil ich ein von Grund auf sehr neugieriger Mensch bin und wissen will, was in der Welt (online und offliche) passiert. 2. weil Social Media meine Kommunikationsquelle Nr. Eins zu Freunden/Kollegen/Bekannten ist (ich telefoniere höchst ungern). Und 3. – und auch nicht ganz unerheblich – weil es beruflich gar nicht gehen würde.

Aber teilweise kann ich das Online-Junkie-Verhalten schon zurückfahren. Die ersten beiden Schritte: ich ziehe mich aus Google+ zurück und ich nehme mir vor, täglich ab 18 Uhr sowie an dienstfreien Wochenenden und Feiertagen ganztägig keine beruflichen E-Mails mehr zu lesen. Warum ich euch das in einem Blogeintrag erzähl, weiß ich zwar auch nicht ganz, aber das gehört wohl zum Online-Junkie-Sein.

Ich wurde nicht zur #‎IceBucketChallenge‬ nominiert und das ist passiert

Ich muss etwas loswerden: Niemand hat mich zur ‪#‎IceBucketChallenge‬ nominiert. Ich unterwandere diese Nicht-Nominierung hiermit. Ich habe ein zwiespältiges Verhältnis dazu. Einerseits ist es löblich, dass diese Krankheit nun so viel Aufmerksamkeit bekommt und so viele Spenden eingetrieben werden. Ohne die Challenge wüssten wohl die meisten nichts davon (außer sie haben den Stephen Hawking Film gesehen und dabei auch wirklich aufgepasst.) Man könnte sagen, solange viel Geld zusammen kommt ist der Hintergrund egal.

ABER: an der Situation von Menschen mit ALS oder ähnlichen Krankheiten ändert eine einmalige Aktion nicht viel. Wenn ihr euch dabei jetzt total cool vorkommt am neueste heißen Scheiß im Internet mitzumachen und so ganz nebenbei auch noch den „armen Kranken“ helft, dann bleibt es halt auch nur das, was es ist: Aufmerksamkeitsheischerei – für euch, nicht die Krankheit.

Wie einige von euch wissen hatte mein Vater Multiple Sklerose – eine ganz unterschiedliche und doch ähnliche Erkrankung. Ja, die Erforschung solcher Krankheiten und die Unterstützung der Betroffenen benötigt Spendengelder. Aber ich unterstelle mal, dass es (einigen, nicht allen von) euch eigentlich nicht wirklich interessiert, wie es den Menschen tatsächlich geht.

Also spendet nicht nur, sondern informiert euch über die Krankheit (wer so viel Aufwand betreibt ein Video zu drehen, kann auch ein bisschen googeln.) Informiert euch, welche bürokratischen Hürden man auch in Österreich (http://alsa.org ist ein US-Verein) als Betroffener und Angehöriger überwinden muss. Behandelt Betroffene nicht wie dem Tode geweiht, weil sie ja so arm dran sind und alles. Und wählt verdammt nochmal Parteien, die in das Sozialsystem und Forschung investieren wollen und nicht abbauen.

Gespendet habe ich trotzdem, weil siehe erster Absatz. 25 Euro an die Multiple Sklerose Gesellschaft in Wien (http://www.msges.at/) und 25 Euro an das Forum ALS (http://www.als-info.at). (Darf man auch machen, ohne erst dazu aufgefordert zu werden.)

PS/Edit: Und weil ich ein paar Rückmeldungen von Leuten bekommen habe, die direkt oder indirekt von anderen Krankheiten betroffen sind, habe ich nochmals 25 Euro für den Verein Pro Rare Austria (http://www.prorare-austria.org/) gespendet, der Menschen mit seltenen Erkrankungen unterstützt.

And now for something completely different: Reisauflauf

Damit hättet ihr jetzt nicht gerechnet, dass ich ein Rezept veröffentliche, nicht wahr? Ist aber so. Weil es erstens eine der wenigen Speisen ist, die ich kann und andererseits immer gut ist. Ein Reisauflauf.

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Zutaten:
250 Gramm Milchreis bzw. Rundkornreis
1 Liter Milch
ca. 125 ml Obers (ein bisserl mehr geht auch)
Zucker oder Süßstoff (ich verwende nur Süßstoff)
1 unbehandelte Zitrone
1 Eidotter (Biofreilandbodenhaltung, wenn nicht dürft ihr mein Rezept nicht nachkochen)
Salz
Vanilleschote (oder -zucker oder zumindest -aroma oder auch nicht)
Butter
Zimt (optional)

Zubereitung:
Milch nach Wunsch süßen (lieber kosten statt nach Vorgaben Zucker oder Süßstoff in Herzinfarktmenge reinschütten) und mit dem Reis, einer Prise Salz, etwas abgeriebener*) Zitronenschale und dem Vanillemark aus der Schote gach**) aufkochen lassen. Auf kleiner Flamme so lange köcheln lassen, bis der Reis pappig ist. Den fertigen Reis vom Herd nehmen und etwas abkühlen lassen.

Eine Ofenform mit Butter ausreiben und die Reispappe darin verteilen. Obers mit dem Eidotter verquirlen und über die Reismasse gießen. Nach Wunsch etwas Zimt darüber streuen. Den Auflauf bei ca. 170 Grad im Ofen für 30 bis 40 Minuten backen bis die Oberfläche blubbert und goldbraun ist (bzw. halt fertig ausschaut, weil durch den Zimt ist er auch vorher schon braun …)

*) Pro-Tipp: nicht beim Abreiben der Zitrone mit der Raspel in die Finger raspeln.
**) gach: auf Wienerisch schnell, kurz. Klingt aber netter.

Verzehr:
Aus dem Ofen nehmen, sofort kosten und sich dabei die Zunge verbrennen. Den Auflauf danach doch etwas auskühlen lassen, in Portionen schneiden und auf einem Teller hübsch anrichten. Fotografieren und im Internet posten. Und essen. Prost.

Alternativen:
Das Ganze kann man auch mit Äpfel machen und Semmelbrösel. Aber wie das geht, weiß ich nicht. Googelts das selber.

 

 

Best-of dümmste Argumente gegen das Binnen-I

„… wir Deutschen haben die Erfahrung gemacht, dass es nie zum Vorteil war, wenn der Staat dem Volk die Schreib- und Sprechweise vorschreiben wollte.“ – (Bastian Sick auf die Frage der Wiener Zeitung, ob Gendern in Deutschland ein so großes Thema sei wie in Österreich.)

Dumm weil: Rechtschreibung unterliegt nunmal Vorschriften, auch in Deutschland. Sonßt Könte mann Auch, soo Schreiben“.“ Kreativ, aber beim Durchlesen von Versicherungspolizzen vielleicht dann doch etwas zu kreativ.

„MitgliederInnen sind hässlich.“ (Wieder Bastian Sick im Interview mit der Wiener Zeitung.)

Dumm weil: das sprachliche Gendern hier (meiner Meinung nach) sowieso falsch angewendet wird, da das Wort Mitglied sächlich ist. Beim Gendern geht es aber darum, dass die männliche Form nicht automatisch auch die weibliche inkludiert. Eine Sache ablehnen, nur weil irgendwer, irgendwo, irgendwann einen Blödsinn fordert, ist blöd.

Frauen sind mitgemeint. 

Dumm weil: Frauen keine Subspezies der männlichen Bevölkerung sind und Männer wohl umgekehrt auch nicht mit „Bürgerinnen“ mitgemeint werden wollen.

Habt ihr keine ärgeren Probleme?

Dumm weil: nicht jeder erst den Nahost-Konflikt lösen kann, bevor man sich „weniger wichtigen“ Problemen zuwendet. Und wer entscheidet welches Problem wichtiger ist? Die Kirche, die Regierung, Bastian Sick?

Eine Minderheit (linker Kampfemanzen) drückt der Mehrheit ihre Meinung auf. 

Dumm weil: bei Änderungen der Rechtschreibung und Grammatikregeln sonst auch von einer Minderheit entschieden werden. So wie Gesetze oder die Eissorten beim Tichy.

Das Binnen-I stört den Lesefluss. 

Dumm weil: man sich auch andere Lösungen überlegen könnte, wenn es nur um den Lesefluss geht. Elendslange zusammengesetzte Hauptwörter können auch den Lesefluss stören. Eine ähnlich aufgeheizte Debatte gegen den Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän ist mir aber noch nirgends untergekommen.

Man kann Sprache, Schrift und Schreibweisen nicht so einfach ändern.

Dumm weil: wer kann noch Kurrent lesen, geht auf den Abort oder thenkt an sein herzeliebez vrouwelin?

Ich pfeif‘ auf diese Bundeshymne

Die österreichische Bundeshymne ist mir so dermaßen Powidl, ich könnte ein dutzend Germknödel damit füllen. Ob da nun Heimat großer Töchter, Söhne oder Schnitzel steht, es berührt mein persönliches Leben nicht. Kommt da jetzt ein aber? Natürlich. ABER: die Vehemenz wie sich manche Personen dagegen wehren, dass Frauen in der Bundeshymne erwähnt werden oder, dass Frauen in der deutschen Sprache wahrgenommen werden, die macht mich extrem grantig.

Ich möchte diese Leute fragen: was tut dir denn in deinem Leben persönlich so weh, wenn man Frauen in einem Lied oder in der deutschen Sprache inkludiert. Das Binnen-I ist nicht beste Lösung für den Lesefluss, aber es gibt auch andere Möglichkeiten. „Genderwahnsinn!“, schreien sie dann. Na gut, wir können es auch umdrehen und nur mehr die weibliche Form verwenden mit dem Hinweis „der männlichen Form wurde gedacht“. Besser so? Ja, dachte ich mir.

Ich sag‘ euch etwas: Frauen sind die Hälfte der Weltbevölkerung, man kann uns nicht einfach ignorieren oder wegretuschieren.

Eigentlich sollte mich das nicht so ärgern, aber …

Neulich in einer Bar. Ich warte im Stiegenhaus eines Wiener Lokals auf meinen Freund, der uns Getränke holt. Einige Meter von mir entfernt lehnt ein Typ. Im Augenwinkel sehe ich, dass er mich mustert. „Bitte nicht herkommen … bitte nicht herkommen …“, denke ich und drehe mich in die andere Richtung. Er kommt her. Murmelt etwas unverständliches, die Musik wummert zu laut. „Was?“, frage ich. Er murmelt irgendwas mit Schmetterling. „Hä?!“, ich habe noch immer nicht verständen. „Ist das ein Schmetterling?“, fragt er lauter und deutet auf mein Schmetterlings-Tattoo. „Äh, ja“, antworte ich irritiert – ein noch dämlicherer Spruch ist ihm nicht eingefallen? Er murmelt wieder etwas. Ich verstehe es nicht. Dann fragt er laut: „Bist du schlecht gelaunt?“ Ich verneine. Er merkt wohl langsam, dass ich kein Interesse an einem Gespräch habe und geht weg, macht dabei eine abfällige Handbewegung. Kurze Zeit später kommt ein anderer Typ die Stiegen rauf. Den schnappt er sich, redet ihm irgendwas ins Ohr. Beide drehen sich zu mir um und lachen. Ein anderer Typ kommt aus der Bar, auch zu dem sagt er irgendwas, schaut mich dabei spöttisch an und lacht wieder. Ich fühle mich unwohl. Endlich kommt mein Freund, wir verlassen das Lokal.

Ich bin keine 16 mehr, blöde Sprüche von Männern können mich nicht mehr verunsichern. Und es ist mir auch egal, was sie über mich geredet haben. Was mich wirklich aufregt sind Männer, die eine Frau runtermachen wollen, weil sie einen Korb bekommen haben. Auch wenn der Vorfall harmlos und eigentlich nicht der Rede wert war. Aber es ärgert mich. Und noch mehr ärgert es mich, dass ich mich darüber ärgere. Eine Pointe gibt es dabei nicht.

Rudergeschichten: Die ersten 100 km

Vor etwas mehr als einem Monat habe ich mit dem Indoor-Rudern begonnen. Seitdem habe ich mit beinahe täglichem Training rund 100 km zurückgelegt. Zwei Dinge, die mir dabei aufgefallen sind:

+ Weniger ist mehr: ich habe mich zuletzt zu sehr verausgabt und bin innerhalb weniger Tage zweimal am Stück 10 km gerudert. Hat sich zunächst super angefühlt, Adrenalin und so, Stolz, wie lange man schon durchhält. Und dann kamen die Rückenschmerzen, weil bei Übermüdung und schlechter Kondition die richtige (rückenschonende) Haltung schnell flöten geht. Also wieder einen (oder besser drei) Gänge zurückschalten, höchstens 20 Minuten locker trainieren und zwei Tage in der Woche pausieren.

+ Zurückhaltung ist schwierig: Ich kann in manchen Dingen recht exzessiv sein, Sport gehört eigentlich nicht dazu. Rudern ist offenbar die Ausnahme. Ich muss mich nun nach der Rückenepisode zwingen nur 15 Minuten zu trainieren. Und ich muss mich zwingen, langsam und gleichmäßig zu rudern anstatt in einen Wettbewerb mit mir selbst zu treten, wie hoch ich die Schlagzahl treiben kann.

Fazit: für die nächsten 100 km lasse ich mir mehr Zeit. Fazit 2: Rudern ist der beste Sport der Welt! Ahoi.