Berufshindernis Tattoo? Lieber bunt als braun!

Nachdem ich hier kürzlich in einem Beitrag erwähnt habe, dass eine Flugbegleiterin aufgrund ihres Maori-Tattoos bei Air New Zealand abgelehnt wurde, bin ich auf folgenden derStandard.at-Artikel gestoßen: einer Umfrage von Xing zufolge kommen Tattoos und Piercings bei Recruitern nicht gut an. 47 Prozent der Befragten finden es demnach nicht in Ordnung, wenn man in (Xing-)Profilbildern Tattoos sieht. Das überrascht mich nun doch etwas.

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Ich war der Ansicht, dass Tattoos und Piercings mittlerweile breitere gesellschaftliche Akzeptanz gefunden haben. Klar: Hakenkreuze oder ähnliche Symbole sind nicht akzeptabel. Und sich das Gesicht wie einen Totenschädel permanent verzieren zu lassen, mag Kunden bei einem Anlageberater eventuell auch abschrecken. Aber dass beispielsweise ein bei kurzen Shirts sichtbares Tattoo am Arm oder ein Nasenpiercing – Dinge eben, die auf einem Profil- oder Bewerbungsfoto zu sehen sein könnten – auch schon als unprofessionell oder gar unseriös gelten, finde ich bedauerlich.

Eine kurze Suchabfrage bei der WKÖ listet in Österreich 366 gewerblich eingetragenen Tätowierer. Eine Studie, wieviele Personen tätowiert sind, habe ich nicht gefunden. Es reicht aber wohl ein Blick im Sommer auf entblößte Waden, Arme oder Rücken, um festzustellen, dass Tattoos weit verbreitet sind.

Eine Spur mehr Toleranz würde bei Personalentscheidern (und anderen Tattoo-Gegnern) nicht schaden. Immerhin: was jemand auf der Haut trägt, sieht man, was er oder sie im Kopf hat, nicht. Und wie hat einer meiner Tätowierer einmal so treffend gesagt? Lieber bunt als braun.

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Fuck yeah! Hand-geklopfte Tattoos

Mein erstes Tattoo habe ich bereits mit 15 Jahren stechen lassen. In den 90ern ging noch die Mär des „Bio-Tattoos“ um, das nach einigen Jahren verschwinden sollte. Das hat natürlich nicht funktioniert. Seither kamen ein paar weitere Peckerl dazu (und darüber). Ich kann sagen: es tut weh. Egal, was andere aus Angeberei behaupten. Meine längste und schmerzhafteste Erfahrung bisher zwaren zwei mal zwei Stunden am Oberarm.

Bei einer elektrischen Tätowiermaschine stechen die Nadeln etwa 800 bis 5.000 Mal pro Minute zwischen 0,04 und 1,5 mm tief unter die Haut (Quelle: tattoo-frei.com) Wie intensiv die Schmerzen sind, hängt von der Körperstelle ab. Dort, wo die Haut dünner und empfindlicher ist, tut es logischer Weise besonders weh.

Das Interessante ist, dass die traditionelle Tattoo-Technik mit dem Tätowierkamm weniger schmerzvoll sein soll. Das behaupten zumindest Personen, die den Unterschied kennen. Der Kamm wurde unter anderem von polynesischen Völkern benutzt, woher auch das Wort „tatau“ stammt. (Wer mehr darüber erfahren will, kann bei Augustin Krämer nachlesen: Hawaii, Ostmikronesien und Samoa.)

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Die traditionelle Tattoo-Technik wird auch heute noch eingesetzt. Auf der Wildstyle 2012 etwa war Brent McCown zu Gast (siehe Foto), der seinen Shop übrigens im weniger exotischen Landskron hat, und demonstrierte seine Künste am lebenden Objekt.

Auch die unverwechselbaren Tattoos der Maori feiern seit einiger Zeit ein Comeback, wie DER STANDARD am 4. Juni berichtete. Selbst die traditionelle Gesichtstätowierung, „Ta Moko“ genannt. Das Tattoo im Gesicht sei jedenfalls auch heute wieder „ein Zeichen für Kraft, Wohlstand und soziale Stellung“, wenngleich mit Problemen im Berufsalltag zu rechnen ist. Einer Frau wurde laut dem Bericht die Position als Flugbegleiterin bei der Air New Zealand wegen eines solchen Tattoos am Arm verwehrt.

Ein Tattoo auf diese traditionelle Art stechen zu lassen, kann ich mir jedenfalls gut vorstellen. Aber nicht im Gesicht.

(Der Titel lehnt sich übrigens an den großartigen Blog FYTattoos.com an, falls jemand eine Inspirationsquelle benötigt.)