Birgit v33.6 Bug Report

(Untertitel für Nicht-Nerds: was im Juni genervt hat und im Juli nicht wiederholt werden sollte)

– Parfum aufgrund des Flakon-Designs gekauft.
– Eine Decke („Plaid“ im Interieur-Sprech) aus 100 % Polyacryl gekauft.
– Blog-Eintrag von Andreas Unterberger gelesen.
– Schwammerl bei 38 Grad Außentemperatur im Supermarkt gekauft.
– Um 4 Uhr früh noch Averna getrunken (Moment: ziehe ich zurück, ist nie falsch).
– Über den ORF geärgert.
– Puls 4 geschaut.
– Den Artikel mit dem Bild vom Stier aufgespießten Matador angeklickt. (Zur Sicherheit aber nochmal verlinken, falls es jemand noch nicht gesehen hat.)
– Seit fünf Monaten die DVD der ersten Staffel von „Mad Men“ ungeöffnet am Couchtisch   liegen haben und noch immer nicht angesehen.
– Diskussion auf Twitter über Print vs. Online verfolgt.
– Red Bull bei akuter Gastritis getrunken.
– Mit Sandalen Abends am Donaukanal gesessen. Stichwort: Gelsen.
– Sich in der Nacht im 20. Bezirk verlaufen. (Wenn die Mama das liest: es waren eh noch ganz viele Leute unterwegs und so …)
– FPÖ-Prospekt nicht sofort vom Postkasten in den Müll befördert.

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Udo Proksch: Ein politisches Lehrstück für das Jahr 2013

Es ist jetzt schon ein paar Tage her, da zeigte ORFIII Robert Dornhelms Doku „Udo Proksch – Out of Control„. Nun habe ich den Fall Lucona als Kind nur am Rande mitbekommen. Als Proksch 1989 verhaftet wurde war ich gerade mal neun Jahre alt. Später habe ich mich nicht damit auseinander gesetzt. Folglich war mir vieles, was in der Doku zu sehen war, neu. Aber auch ein Augenöffner.

Proksch konnte andere (wichtige) Menschen mit großen Worten und spektakulären Ideen umgarnen. Gelernter Schweinehirt, Designer, Besitzer der Hochzuckerbäckerei Demel, Waffenhändler, Gründer der Vereine „der Senkrechtbegrabenen“ und CUM (Civil und Militär), Mitgründer des (SPÖ-) Clubs 45. Für seine Militärspielereien soll er vom österreichischen Bundesheer ausrangierte Flugzeuge, LKWs und Sprengstoff erhalten haben. Zum Spielen. Letztendlich wurde er im Fall Lucona wegen sechsfachen Mordes verurteilt.

Die Verklärung, mit der (ehemalige) PolitikerInnen, Lebensgefährtinnen, Medienmenschen und andere prominente WeggefährtInnen in der 2010 veröffentlichten Doku noch von Proksch reden ist erstaunlich.

Udo Proksch ist als Enfant terrible der Austro-Society und „mörderischer Hofnarr der roten Schickeria“ (rau, DER STANDARD, 13./14.4.2013) in die Chroniken der jüngeren, österreichischen Geschichte eingegangen. Eine reale Polit-Satire.

Aber er bleibt auch ein Symbol für das, was sich hinter den Kulissen abspielt: Eine Hand wäscht die andere. Zwischen Politik, Großkonzernen und Einzelpersonen fließen Millionenbeträge. Wofür genau? Daran können sich Beteiligte im Nachhinein oft nicht erinnern. Firmen lobbyieren die Grundlage ihrer Geschäftsmodelle in Gesetze hinein und weichen damit Bürgerrechte auf.

„Wer verstehen will, was dieses Land im Innersten zusammenhält, kommt um den Genuss dieses Lehrfilms nicht herum. Großes Schulfernsehen für Nachgeborene“, schreibt Ronald Pohl punktgenau im STANDARD zur ORFIII-Ausstrahlung der Proksch-Doku. Wer das Geld hat, bestimmt. Wer den Geldgebern und Entscheidern Flöhe ins Ohr setzen kann, ist mächtiger als die Spitze der Politik. Bei der nächsten Nationalratswahl im Herbst sollte man sich nicht von Parteiprogrammen blenden lassen, sondern einen Blick hinter die Kulissen werfen. Gelegenheit dazu gab es in den vergangenen Monaten genug.

30. Donauinselfest – Eine wienerische Hassliebe

Das Donauinselfest liebt man entweder oder man hasst es. Menschenmassen schieben sich in flirrender Hitze zwischen Grill- und Curry-Buden, Ramsch-Standeln und den Show-Bühnen hin und her. Günstiges Bier muss eingeschmuggelt, Kinder und Hunde ohne zertreten überwunden werden. Je später der Abend desto besoffener die Gäste.

Wer tut sich das freiwillig an? 2012 immerhin 3 Millionen Menschen und ich seit 1994 fast jährlich auch. Weil es zum Sommer in Wien dazugehört und ab und an musikalische Highlights hervorbringt.

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Foto: Donauinselfest 2012, Soupshop und der Bürgermeister.

Ich habe auf der Insel in diesen Jahren unter anderem Billy Idol, Kim Wilde, die Leningrad Cowboys, DJ Shantel, Die Toten Hosen, Seelig, Mo, Silbermond, Amy MacDonald, die Kelly Family, Reinhard Fendrich, die Backstreet Boys, Attwenger, Russkaja, Kreisky, Right Said Fred, Toto, Opus etc. gesehen, ganz zu Schweigen von Dutzenden unbekannteren Bands. Bei weitem nicht alles davon war gut, einiges legendary.

Die meisten großen Acts lasse ich mittlerweile aus, zu viele Leute, zu viel Gedränge, zu lange Wege zu den Toiletten. Meine Empfehlung: die Pro-Ge-Bühne (Arbeitswelt Insel), mit nur wenigen Gehminuten zur U1. Am Freitag spielen dort um 17:00 Souphop, direkt im Anschluss um 18:15 The Nose. Zwei großartige Wiener Bands, die mit Skapunk und dreckigem Rock den besten Einstieg ins Wochenende geben (und sich rein zufällig auch aus ein paar meiner liebsten Freunde zusammensetzen).

Wer noch nie am Donauinselfest war, sollte ihm einmal eine Chance geben. Daher: Sonnenbrille auf die Nase, Sommerspritzer in die Hand und auf zum Inseltreiben!

Regenbogenparade: 150.000 Menschen tanzen Toleranz, ein Häufchen hinkt dagegen an

regenbogenparade

Österreich ist in vielen Dingen leider kein Vorzeige-Land für Toleranz. Aber während in Frankreich im Mai 150.000 Menschen auf die Straße gegangen sind, um gegen die gleichgeschlechtliche Ehe zu demonstrieren, gehen in Wien 150.000 Menschen auf die Straße um ein Zeichen gegen die Diskriminierung von Homosexuellen und Transgender-Personen zu setzen.

Ganz ohne Störaktionen rückschrittlicher Zeitgenossen ging es allerdings auch bei der 18. Regenbogenparade am vergangenen Samstag nicht. Die „Plattform Familie“ konnte am Rande der Parade ein Häuflein Demonstranten versammeln. Die Initiative tritt nicht nur gegen gleichgeschlechtliche Ehe und eingetragene Partnerschaft ein. Nein, auch der Sexualkundeunterricht an den Schulen soll abgeschafft werden …

Andreas Unterberger findet die Forderungen in seinem Blog „einfach, provozierend und revolutionär“ und warnt, dass die „Gender-Ideologie verhaftete Politik“ die Familien zerstören würde. Ich sehe an dieser Stelle absichtlich von einer Verlinkung ab, da ich diesen Unfug nicht noch weiter verbreiten will.  

Gerade vor dem Hintergrund, wie homosexuelle Menschen in anderen Ländern noch immer verfolgt werden, muss man betonen, dass Events wie die Regenbogenparade oder der Life Ball in Wien ohne größere Zwischenfälle möglich sind. Selbstverständlich ist das leider nicht.

Woher kommt die Angst so vieler Männer vor Feminismus?

Genderwahn! Sprachvergewaltigung! Emanzen-Lobby! Quotenfrauen! Manche Männer stehen regelmäßig vor dem Herzinfarkt, wenn sie von Frauen lesen müssen, die mehr Rechte einfordern oder einfach nur in Texten mit weiblicher Form angesprochen werden wollen. Im Web wird man von geistigen Winzigwichten schon angepöbelt, wenn man das „F“-Thema nur andeutet. Warum ist das so?

Feminismus ist kurz gefasst nach Definition der Stanford Encylopedia of Philosophy: „… both an intellectual commitment and a political movement that seeks justice for women and the end of sexism in all forms.“ Natürlich gibt es verschiedene Auslegungen, aber im Grund setzt sich der Feminismus für eine Gleichberechtigung ein. Männer und Frauen sollen gleiche Rechte haben. Bis das nicht der Fall ist, braucht es feminististische Bewegungen, um diese Gleichstellung herbeizuführen.

Liebe Anti-Feministen und Maskulinisten: was tut denn daran so weh? Wovor habt ihr so große Angst? Dass sich Frauen zu den Herrscherinnen (sic!) der Welt aufschwingen und euch unterdrücken? Das wird nicht passieren. Aber genau das ist es, wogegen Frauen vorrangig in den vergangenen Jahrzehnten gekämpft haben. Gegen Unterdrückung, Sexismus und Ungleichbehandlung.

Männer und Frauen sind biologisch nicht gleich und sollen daher auch nicht gleich behandelt werden? So könnte man auch argumentieren, dass z.B. große Menschen überlegen wären und folglich mehr Rechte haben sollten; große Menschen bessere Führungsqualitäten hätten und eher in den Vorstandsetagen sitzen sollten als kleine. Klingt irrsinnig? Genau das ist Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts auch.

Wer das nicht verstanden hat, wird weiterhin Angst haben und gegen die Weiterentwicklung der Gesellschaft arbeiten. Bemitleidenswert und so gar nicht „maskulin“, oder?

Berufshindernis Tattoo? Lieber bunt als braun!

Nachdem ich hier kürzlich in einem Beitrag erwähnt habe, dass eine Flugbegleiterin aufgrund ihres Maori-Tattoos bei Air New Zealand abgelehnt wurde, bin ich auf folgenden derStandard.at-Artikel gestoßen: einer Umfrage von Xing zufolge kommen Tattoos und Piercings bei Recruitern nicht gut an. 47 Prozent der Befragten finden es demnach nicht in Ordnung, wenn man in (Xing-)Profilbildern Tattoos sieht. Das überrascht mich nun doch etwas.

tattoo

Ich war der Ansicht, dass Tattoos und Piercings mittlerweile breitere gesellschaftliche Akzeptanz gefunden haben. Klar: Hakenkreuze oder ähnliche Symbole sind nicht akzeptabel. Und sich das Gesicht wie einen Totenschädel permanent verzieren zu lassen, mag Kunden bei einem Anlageberater eventuell auch abschrecken. Aber dass beispielsweise ein bei kurzen Shirts sichtbares Tattoo am Arm oder ein Nasenpiercing – Dinge eben, die auf einem Profil- oder Bewerbungsfoto zu sehen sein könnten – auch schon als unprofessionell oder gar unseriös gelten, finde ich bedauerlich.

Eine kurze Suchabfrage bei der WKÖ listet in Österreich 366 gewerblich eingetragenen Tätowierer. Eine Studie, wieviele Personen tätowiert sind, habe ich nicht gefunden. Es reicht aber wohl ein Blick im Sommer auf entblößte Waden, Arme oder Rücken, um festzustellen, dass Tattoos weit verbreitet sind.

Eine Spur mehr Toleranz würde bei Personalentscheidern (und anderen Tattoo-Gegnern) nicht schaden. Immerhin: was jemand auf der Haut trägt, sieht man, was er oder sie im Kopf hat, nicht. Und wie hat einer meiner Tätowierer einmal so treffend gesagt? Lieber bunt als braun.

Tilda Swinton ist heißer als Miley Cyrus

Miley Cyrus ist vor Selena Gomez laut den Lesern des US-Männermagazins Maxim also die heißeste Frau der Welt. Wer ist denn die Zielgruppe dieser Zeitschrift, 12-Jährige? Eine Frau, die alle Mileys und Selenas der Welt wegschnupft, ist Tilda Swinton.

Filmografie und Auszeichnungen der schottischen Schauspielerin sind Kilometer lang. Kürzlich ist sie mir aber im Musikvideo zu David Bowies „The Stars (Are Out Tonight)“ aufgefallen. Vom biederem Vorstadt-Housewife bis zum Partyluder nimmt man der 52-Jährigen jede Rolle ab. Mal sehen, ob Miley das in 30 Jahren auch schafft.

Schreiben über Behinderung: es geht auch ohne Phrasendrescher

Schreiben ist ein Handwerk. Ein Text wird aus Sätzen, diese aus Wörtern wie ein Haus aus Ziegelsteinen aufgezogen. Damit das schneller klappt, greift man als Autor oft auf ein Repertoire an Phrasen zurück – journalistische Fertigteilhäuser quasi. Nun sind einige bewährte Phrasen aber gelegentlich, manchmal sogar sehr oft unpassend.

Liest man über Menschen mit Behinderungen stolpert man oft über „an den Rollstuhl gefesselt“, „führt bis auf xy ein vollkommen normales Leben“, „kann trotzdem lachen“, „leidet an xy“. Dazu kommen Begriffe wie „die Behinderten“ oder „die Blinden“. Menschen werden dadurch auf einen Aspekt in ihrem Leben reduziert. Es wird ihnen abgesprochen auch einmal „ganz normal“ glücklich sein zu können, denn ihr „schweres Schicksal“ ist ja ganz gewiss nur mit „viel Kraft“ zu „ertragen“.

Journalisten ist oft nicht klar, dass so eine unbedacht gewählte Formulierung andere vielleicht kränken oder ärgern könnten. Man will schließlich aus seinen Fertigbausteinen nur eine lesbare Geschichte basteln. Die Seite leidmedien.de bietet gute Beispiele, welche Formulierungen man vermeiden sollte und regt zum Nachdenken über die eigene Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung an.

Fuck yeah! Hand-geklopfte Tattoos

Mein erstes Tattoo habe ich bereits mit 15 Jahren stechen lassen. In den 90ern ging noch die Mär des „Bio-Tattoos“ um, das nach einigen Jahren verschwinden sollte. Das hat natürlich nicht funktioniert. Seither kamen ein paar weitere Peckerl dazu (und darüber). Ich kann sagen: es tut weh. Egal, was andere aus Angeberei behaupten. Meine längste und schmerzhafteste Erfahrung bisher zwaren zwei mal zwei Stunden am Oberarm.

Bei einer elektrischen Tätowiermaschine stechen die Nadeln etwa 800 bis 5.000 Mal pro Minute zwischen 0,04 und 1,5 mm tief unter die Haut (Quelle: tattoo-frei.com) Wie intensiv die Schmerzen sind, hängt von der Körperstelle ab. Dort, wo die Haut dünner und empfindlicher ist, tut es logischer Weise besonders weh.

Das Interessante ist, dass die traditionelle Tattoo-Technik mit dem Tätowierkamm weniger schmerzvoll sein soll. Das behaupten zumindest Personen, die den Unterschied kennen. Der Kamm wurde unter anderem von polynesischen Völkern benutzt, woher auch das Wort „tatau“ stammt. (Wer mehr darüber erfahren will, kann bei Augustin Krämer nachlesen: Hawaii, Ostmikronesien und Samoa.)

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Die traditionelle Tattoo-Technik wird auch heute noch eingesetzt. Auf der Wildstyle 2012 etwa war Brent McCown zu Gast (siehe Foto), der seinen Shop übrigens im weniger exotischen Landskron hat, und demonstrierte seine Künste am lebenden Objekt.

Auch die unverwechselbaren Tattoos der Maori feiern seit einiger Zeit ein Comeback, wie DER STANDARD am 4. Juni berichtete. Selbst die traditionelle Gesichtstätowierung, „Ta Moko“ genannt. Das Tattoo im Gesicht sei jedenfalls auch heute wieder „ein Zeichen für Kraft, Wohlstand und soziale Stellung“, wenngleich mit Problemen im Berufsalltag zu rechnen ist. Einer Frau wurde laut dem Bericht die Position als Flugbegleiterin bei der Air New Zealand wegen eines solchen Tattoos am Arm verwehrt.

Ein Tattoo auf diese traditionelle Art stechen zu lassen, kann ich mir jedenfalls gut vorstellen. Aber nicht im Gesicht.

(Der Titel lehnt sich übrigens an den großartigen Blog FYTattoos.com an, falls jemand eine Inspirationsquelle benötigt.)

Das neue Yps ist da! Ein „Unboxing“

Ja ich habe ein Yps-Abo. Ein wundervolles Geburtstagsgeschenk, nachdem ich die erste Ausgabe der Neuauflage nicht ergattern konnte. Mittlerweile ist schon das dritte neue Heft erschienen und heute bei mir in Postkasten gelandet. Ausgabe 1260 mit dem Gimmick „Solar-Zeppelin“.

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Der Solar-Zeppelin – Entschuldigung – der Riesen-Solar-Zeppelin ist drei Meter lang und besteht im Wesentlichen aus einer schwarzen Plastikhülle und einer Schnur. Das erste Mal erschien er im Jahr 1980 (mein Geburtsjahr!) im Sonderheft Yps Extra Nr. 3, lernt man im Beipacktext zum fliegenden Mistsackerl. Ein weiteres Mal 1984. Ein Aufreger! Die dpa soll gar von „kleinen Ufos“, die Piloten „erschrecken“ geschrieben haben.

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Wie das ganze funktioniert? Man bläst das Ding auf und wartet in der Sonne bis sich die Luft im Ballon erwärmt, ausdehnt und aufsteigt. Dann steht man also da mit einem drei Meter langen, schwarzen, fliegenden Ungetüm, kommt sich selbst cool und den anderen suspekt vor. Ich werde es vielleicht im Sommerurlaub in Kärnten ausprobieren (da fällt man beim Suspekt-Sein weniger auf.)

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Das neue Yps hat noch ein zweites Gimmick. Das Cover lässt sich zu einem Segelflieger falten (ein neues Geschäftsmodell für Printzeitungen?). Mein Flugversuch ist etwas kläglich ausgefallen.

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Den Rest des Inhalts verrate ich nicht. Kauft es euch selbst. Viel Spaß damit!